Osteopathie-Jetzt, Friederike Kaiser

Foto: Dr. Andrew Taylor Still

Osteopathie ist eine Form der manuellen (mit den Händen ausgeübte) Therapie, die Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von einem Arzt – Dr. Andrew Taylor Still – entwickelt wurde.

Er hatte bei einer Epidemie einen Großteil seiner Familie verloren und suchte, unzufrieden mit dem, was seine zeitgenössische Medizin anbieten konnte, nach einem neuen Begriff von Gesundheit. Osteo – der Knochen (griech.:Osteon)- als Überbegriff für (Binde-) Gewebe und Pathie - der Ausdruck, das Leiden (griech.:Pathos) ist von heute aus gesehen eine etwas unglückliche Wortwahl.

Für ihn damals war es die Übersetzung seiner Erkenntnis, dass ein Bewegungsverlust im Bereich des Gewebes sowohl die Ursache für Leiden, als auch der Ort ist, wo die fähigen Finger eines Therapeuten mit ihrer Diagnose (ihn finden) und der Therapie (ihn beseitigen) ansetzen.

Er gründete eine Universität in Kirksville, Missouri. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die Osteopathie in Amerika. Es wurden verschiedene Colleges gegründet, der Berufsstand Doktor der Osteopathie (DO) war zwar politisch immer umkämpft, setzte sich aber Dank engagierter Patienten und Therapeuten weiter durch und bildet heute neben Medical Doctors (MD) und anderen medizinisch Tätigen (Chiropractic Doctor, Homoeopathic Doctors etc.) einen integralen Bestandteil des pluralistischen amerikanischen Gesundheitssystems.

Gleichzeitig brachten einzelne Therapeuten die Osteopathie nach Europa und gründeten dort Ausbildungsstätten – zunächst in England und Frankreich, später auch hier in Deutschland.

Parallel zu dieser Entwicklung gab es einzelne Osteopathen, die Teile der Osteopathie ausgliederten und diese als Einzeltherapien entwickelten:

Die Manuelle Therapie, wie sie von Ärzten und Physiotherapeuten ausgeübt wird, ist der parietale Anteil der Osteopathie (betrifft Probleme im Bereich der Knochen und Gelenke). Die Craniosakrale Therapie (Behandlung des Schädels, der Wirbeläule bis zum Kreuzbein und das von diesen Knochen umschlossene zentrale Nervensystem)  ist ein weiterer Anteil, der ausgegliedert und hier in Deutschland hauptsächlich von Physiotherapeuten, Heilpraktikern und Hebammen angewendet wird. Der 3. Anteil der Osteopathie, die viscerale (die Organe betreffende) Osteopathie wurde maßgeblich von einem französischen Osteopathen JeanPaul Barral weiterentwickelt, verblieb aber weitgehend im osteopathischen Zusammenhang.

Links: http.//jolandos.com/de/ dann “Geschichte”

Seit Ende des 20.Jahrhunderts wächst die Osteopathie hier in Deutschland rasant.

Zweistellige Zuwachsraten sowohl der Patientenzahlen als auch der Therapeutenzahlen sind zu verzeichnen. Diese Entwicklung ist einerseits ein Zeichen des großen Erfolgs dieser Therapieform, andererseits weckt dies natürlich Begehrlichkeiten und Rivalitäten in allen möglichen Bereichen.

Der Versuch, ein einheitliches Berufsbild mit verbindlichen Ausbildungsinhalten und einer zuverlässigen Qualität zu erreichen, hat uns zur Zeit einen Zustand des Deutschen Privatschul-und Vereinswesens beschert, der alles andere als Vertrauen, Einigkeit und Zuversicht verbreitet. Persönlicher Profilierungsbedarf, mangelnde organisatorische Kompetenz, ökonomsche Interessen und das vielfach korrupte deutsche “Gesundheits”wesen vermischen sich unentwirrbar mit der Notwendigkeit und dem Bedürfnis sowohl von Patienten als auch von Therapeuten für die Osteopathie einen sinnvollen Status im Gesundheitssystem zu erkämpfen. So bleibt es den vielen ambitionierten, fähigen und menschlich souveränen OsteopathInnen überlassen, denen es egal ist unter wessen Organisation sie arbeiten, die eigenen BotschafterInnen einer Therapieform zu sein, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, ohne Medikamente nebenwirkungsarm Menschen zu helfen, ihre Beschwerden und Schmerzen zu überwinden.

 

 

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