Osteopathie-Jetzt, Friederike Kaiser

Ein wichtiger Bereich der Osteopathie beschäftigt sich mit der Therapie von Säuglingen und Kleinkindern. Es gibt sogar inzwischen eine eigene Ausbildung zum “Kinderosteopathen”.

SäuglingeNicht alle Osteopathen absolvieren diese Ausbildung – aber es ist wichtig zu wissen, dass kleine Kinder ein viel empfindlicheres System besitzen und vor allem ganz andere Herangehensweisen erfordern. Sie können weder sagen wo es weh tut, noch ist die Diagnostik einfach zu erstellen, weil sie viel kleiner und viel beweglicher sind.

Sie sind auch schwerer zu behandeln, weil sie selten ruhig halten. Aus diesen Gründen sammeln viele Therapeuten erstmal Erfahrungen mit Erwachsenen und größeren Kindern, bevor sie sich an die ganz Kleinen wagen.

Ab wann eine Behandlung sinnvoll erscheint, läßt sich nicht verallgemeinern. Bei Stillproblemen ist ein Erfolg am wahrscheinlichsten, wenn die Kinder innerhalb der ersten Tage nach der Geburt vorgestellt werden. Ein Arzt und Osteopath im Krankenhaus in Lübeck hatte angeblich 100% Erfolg bei Saugstörungen innerhalb der ersten beiden Lebenstage.(Mahdi, Sobhi: Osteopathische Therapie von Saugstörungen: In: Osteopathische Medizin, Jahrg.7, Heft 1/06, S. 9-12, Elsevier Verlag) Auch bei Asymmetrien sind die Aussichten besser, je früher gehandelt wird. Gegen eine solche Strategie spricht natürlich die Erfahrung, dass manche Probleme sich auch von alleine auswachsen.

Säuglinge_2Viola Fryman, eine bekannte amerikanische osteopathische Ärztin, kam nach der Auswertung tausender Behandlungsprotokolle zu dem Ergebnis, dass sich bei 85% aller Neugeborenen ein osteopathisches behandelbares Problem zeigt, aber nur 35% tatsächlich das Problem behalten. (Fryman, Viola: Die gesammelten Schriften von Viola Fryman,DO., Jolandos-Verlag, Pähl 2007) Allerdings sind 35% auch wieder nicht gerade wenig.

Grundsätzlich ist meine Erfahrung, dass folgende Befunde in der Krankengeschichte von Kindern auftauchten, die mir zur Behandlung von Eltern, Ärzten, Physiotherapeute oder Hebammen geschickt wurden:

  • das Stillen klappte nicht
  • sie überstreckten sich häufig
  • sie waren deutlich asymmetrisch und/oder drehten den Kopf nur zu einer Seite
  • sie waren ständig unruhig und kamen selten und nur kurz zur Ruhe
  • sie wanden sich beim Stillen und signalisieren Schmerzen
  • sie hatten zu selten Stuhlgang
  • sie spuckten nicht nur dann Milch, wenn sie zuviel getrunken hatten
  • sie kamen in ihrer motorischen Enticklung nicht weiter
  • sie hatten eine schwere Geburt mit Saugglocke oder Zange oder Kaiserschnitt hinter sich
  • Eltern oder nahe Bezugsperson hatten das sichere Gefühl , dass irgendetwas nicht in Ordnung ist.

Ich möchte nicht sagen, dass die Kinderärzte, die Sie mit den Worten:"das wächst sich aus “ beruhigen, sich irren. Die Ärzte haben häufiger recht als unrecht.(siehe die Zahlen oben) Aber dennoch sind osteopathische Behandlungen oft in der Lage den Kindern und den Eltern jetzt das Leben zu erleichtern, egal, wie es später ausgehen mag und egal, ob die Erleichterung wissenschaftlich nachweisbar oder oder auf dem sogenannten "Placebo"-Effekt (Einbildungs-Effekt)beruht. Und unser großer Vorteil ist, dass eine Behandlung höchstens unnötigerweise Zeit und Geld gekostet hat.

Es gilt heutzutage als normal, dass Kinder Blähungen haben – unsere ungesunde Lebensweise, Stress, Elektrosmog, Schwermetallbelastung, Antibiotikagabe bei der Geburt, Lebensmittelzusatzstoffe, Lebensmittelallergien der Mütter können als Ursache dafür gesehen werden. Das sensible System des Neugeborenendarms muss erst lernen, sich diesen Anforderungen anzupassen. Osteopathen können da auch nicht zaubern. Allerdings ist es meine ganz persönliche Praxiserfahrung, dass osteopathisch behandelte Babys meist nur Zwei-Monats-Koliken haben. Als erste Maßnahmen empfehle ich, es zunächst mal mit dem Weglassen von Milchkaffee (auch Caro- und entkoffeinisierten). Außerdem ist es sinnvoll, die eigene (mütterliche) Diät zu überprüfen. Zucker, Weißmehl und Kuhmilchprodukte können sowohl bei der Mutter, als auch bei dem Kind Blähungen verstärken. Einfach mal ein paar Tage diese Nahrungsmittel weglassen. Manchmal ist es dann schon viel besser.

Die Behandlungsdauer bei Säuglingen ist in der Regel 25 Minuten. Davor wird zuerst die Krankengeschichte aufgenommen und Veränderungen besprochen. Das heißt, Sie müssen für den ersten Termin 40, für die Folgetermine 30 Minuten einplanen.

Nach der Behandlung sind Säuglinge manchmal sehr müde und schlafen ungewohnt lange. Schlafen lassen! Oft sind sie auch sehr unruhig und die Eltern fragen sich, ob es ein Fehler war, zur Osteopathin zu gehen. Diese Kinder leiden meist unter einer Reizüberflutung, und ein verändertes Körpergefühl irritiert sie natürlich sehr. Einfach Ruhe bewahren – das geht in der Regel innerhalb von 36 Stunden vorbei. Wenn es länger dauert, rufen Sie die TherapeutIn an.

Säuglinge_1Bitte nicht den Stillabstand verkürzen. Alles was unter 3 Stunden ist, schadet Ihrem Kind meist mehr, als dass es nützt. Versuchen Sie es mal mit dem Schnuller.

Die Kinder haben meist keinen Hunger, sondern möchten sich nur an der Brust eine Portion Ruhe abholen. Sowas ist einmalig kein Problem, z.B. nach einer Aufregung oder einem Arztbesuch. Ich habe aber,die Erfahrung gemacht, dass außer bei seltenen Ausnahmen (z.B.untergewichtigen Kinder mit Gedeihstörungen) kurze Stillabstände bei den Kindern zu vermehrten Verdauungsstörungen und Sodbrennen führen können und damit zum Anfang eines Teufelskreises, der dann nur noch schwerer zu durchbrechen ist.

 

 

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